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Zahlenmystik bei Bach

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29 Sep 2015 14:54 #428 von Klaus Schaaff
Hallo Forum,

ein bisher wenig diskutiertes Thema hier im Forum, ist die Zahlenmystik bei Bach. Ein Thema, das einerseits in das Reich der Esoterik heute einzugliedern ist, aber nicht einfach bei Bach von der Hand zu weisen ist.

Einen sehr seriösen Beitrag, der nicht von Spekulationen ausgeht, sondern viele Fakten aufweist, habe ich hier gefunden:

www.mskuhl.de/data/Facharbeit_Sebastian_Kuhl_Zahlenmystik_in_Bachs_Werken_2009.pdf

Besonders aufmerksam, in diesem Dokument, wurde ich bei Bachs Textdichter Picander. Die Nähe zu Bach, in diesem Fall, lässt fast sichere Rückschlüsse zu, dass Bach die Zahlenmystik gekannt haben muss. Ihr dürft mir glauben, an Spekulationen, wie bei ägyptischen Pyramiden, bin ich wenig interessiert. Dass Bach sich selbst, wiederholt, als Zahl 14 musikalisch dargestellt hat, sollte mittlerweile angenommen werden dürfen. Ein Element im Wesen Bachs, was ihn uns ein Stück näher bringen kann.

Vielleicht kennt Ihr weitere Quellen, die das Thema noch erweitern könnten.


Danke für Euer Interesse
Klaus Schaaff

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29 Sep 2015 20:04 #429 von Christof Rimle
Hallo Klaus

immer wieder ein spannendes Thema. Gerade der «III. Teil der „Clavier-Übung» wird gerne mit Zahlenmystik in Verbindung gebracht. Hier ist es die Zahl 3 die eine besondere Bedeutung zu haben scheint. Daraus die Dreifaltigkeit Gottes abzuleiten scheint mir nicht völlig von der Hand zu weisen.

Den von Dir erwähnten Beitrag habe ich mit Interesse gelesen. Vielen Dank! Und das da dürfte der Autor sein: mskuhl.de/main.php?section=sebastian_kuhl . Er hat sich grosse Mühe gegeben und eine seriöse Arbeit abgeliefert, finde ich. Alle Achtung!

Gruss
Christof

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30 Sep 2015 01:18 #430 von Klaus Schaaff
Hallo Christof,

ja, das ist der Autor. Ich habe mich bei ihm mit einer Mail für den exzellenten Beitrag bedankt. Dein Hinweis "Dreifaltigkeit" habe ich mal verfolgt im Web und ein paar Sachen dazu gefunden. Es klingt plausibel und sehr wahrscheinlich, dass Bach daran gedacht haben könnte, insbesondere als sehr religiöser Mensch.

Das bestechendste Indiz bei Bach selbst, ist wohl der Rätselkanon "Canon triplex a 6 voci BWV 1076", zu sehen auf dem Hausmann Bach-Portrait:





Zahlenspielereien im Sinne eines Rätselkanons waren durchaus üblich im Barock. Hier sieht man es deutlich, dass solches bei Bach direkt nachzuweisen ist, ohne Plausibilitätsfolgerugen in Anspruch nehmen zu müssen.

Weitere Beispiele findet man im Musikalischen Opfer als Kommentar von Bach:

Notulis crescentibus crescat Fortuna Regis
Ascendenteque Modulatione ascendat Gloria Regis

Sie bedeuten etwa: Durch das Ansteigen der Noten und der Modulation, soll das Glück und der Ruhm des Königs vermehrt werden. Auch findet man dort für den König Kanonstücke nach dem Motto: Wer suche der findet.


Auch lustig, im Barock gab es für Musik so etwas ähnliches wie Malen nach Zahlen: Die Rota. Giovanni Andrea Bontempi beschreibt diese 1660. Abwandlungen davon werden von Mozart berichtet, wie man durch Würfeln Musik machen kann.





Wie gesagt, das waren alles Zahlenspielereien und weniger Mystik. Es gibt aber auch bei Bach seltsames. Das C-Dur Präludium BWV 846 hat 35 Takte. Diese Unsymmetrie fiel schon dem Hamburger Musikdirektor Christian Friedrich Gottlieb Schwencke (1767–1822) auf. Er fügte deshalb eines weiteren Takt 23 ein, der heute als Schwenkescher Takt bekannt ist, damit die Großtaktigkeit erfüllt sei und das Stück auf 36 Takte kommt. In vielen Ausgaben des WTK ist dieser Schwenkesche Takt enthalten.

Wo also sonst bei Bach nur wohlproportioniertes zu finden ist, hat das erste Päludium 35 Takte. 35 = 5 x 7. Das wäre auch eine mögliche Untergliederung, die aber nicht stimmt. Im ersten Teil finden wir nur Großtakte a 4 und dann plötzlich tut sich ein Riss auf.

Es gibt da die Anekdote über Bach, er sei schon zu Bett gewesen und ein Schüler übte in einem anderen Zimmer ein Bachstück. Der Schüler wollte aber Bach necken und spielte den Schlußakord nicht. Bach soll aufgestanden sein, habe sich in das Musikzimmer begeben, um den Schlussakord zu spielen. Warum macht dann ein Bach ein Präludium mit 35 Takten?

Bis bald
Klaus Schaaff
Anhang:

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