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Gardiner schreibt Bach-Biografie

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04 Okt 2013 18:10 - 04 Okt 2013 18:10 #269 von Christof Rimle
Ist das nur ein Medienhype oder hat der ansonsten geschätzte John Elliott Gardiner tatsächlich eine alte Geschichte aufgewärmt? Die Medien melden heute folgendes:

Johann Sebastian Bach soll als Jugendlicher ein Rüpel gewesen sein

03.10.2013, 17:50 Uhr | t-online.de, dpa

Der berühmte deutsche Komponist Johann Sebastian Bach soll laut Meinung eines bekannten britischen Bach-Interpreten als Jugendlicher ein ziemlicher Rüpel gewesen sein. Das schreibt John Eliot Gardiner, Dirigent und Chorleiter, in einer Biographie über den Musiker, das an diesem Donnerstag in Großbritannien im Penguin-Verlag erschienen ist.

Gardiner hat für das Buch "Music in the Castle of Heaven: A Portrait of Johann Sebastian Bach" laut der britischen Zeitung "The Guardian" Archivmaterial aus Bachs Schulen ausgewertet. Die Quellen deuteten auf eine durch Gewalt geprägte Umgebung hin.
Bach soll notorischer Schul-Schläger gewesen sein

"Es ist mir ein Rätsel, warum die Standardbiografien das einfach ignoriert haben", sagte Gardiner dem "Guardian" zufolge. An Bachs erster Schule im thüringischen Eisenach hätten Eltern sogar ihre Kinder wegen deren Angst vor dem vermeintlichen Schläger zu Hause gelassen.

Bach zieht seinen Degen

Bach selbst sei mit 15 Jahren in Straßenschlägereien geraten und habe drei Jahre später gegenüber einem inkompetenten Fagottisten seinen Degen gezogen, schreibt die Zeitung "The Independent". Was die Musik angehe, fokussiere sich Gardiner in seiner Biographie indes auf den berühmten Eisenacher als Komponisten von Chormusik.


Dass der neue Präsident des Bach-Archivs Leipzig einen solchen "Käse" verbreitet, erstaunt mich sehr. Was wohl Christoph Wolff dazu sagen würde?
Letzte Änderung: 04 Okt 2013 18:10 von Christof Rimle.

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05 Okt 2013 10:34 - 05 Okt 2013 10:36 #273 von Yo El Mismo
Hallo Christof!

Ich war ebenfalls überrascht von den ollen Kamellen, die nun wirklich nichts über die außerordentliche Bedeutung Bachs für die Musikwelt aussagen. Sie sind allenfalls eine Randnotiz wert, aber keinesfalls so bedeutsam, daß sie in die vorderste Front gestellt werden.

Zu Gardiner und seiner Interpretation Bachscher Werke habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Ich konnte mich zu keiner Zeit zu irgendwelchen Jubelstürmen hinreißen lassen, wie das anderenorts geschieht. Insofern habe ich mich auch schriftlicher Äußerungen dort enthalten. Aber das mag jeder anders empfinden und sich dann dementsprechend äußern. Geschmäcker sind nun mal verschieden.

Was die Position Gardiners als Präsident des Bach-Archivs angeht, hat er sich mit dieser Biographie keinen Gefallen getan. Au contraire: Er wird es in dieser Position auch immer wieder mit deutschen Amts- und Würdenträgern zu tun bekommen und die mögen es nun mal nicht, wenn ein Ausländer - und sei er noch so herausragend in der Musikwelt - sich über einen "deutschen Heiligen" hermacht.

Liebe Grüße
Yo

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Letzte Änderung: 05 Okt 2013 10:36 von Yo El Mismo.

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05 Okt 2013 15:05 #276 von Christof Rimle
Für mich sieht es so aus, als ob Gardiner da in die Medientrickkiste gegriffen hat (organisiere einen Skandal wenn Du willst dass man über Dich spricht). Oder die Medien haben ein nebensächliche Passage aus dem Buch aufgewärmt. Einfach nur läppisch, finde ich.

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