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Neue Forschungsergebnisse über Bachs Arbeit

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11 Dez 2013 09:15 #289 von Yo El Mismo
Heute, 11.12.13 macht Bild.de mit folgender Schlagzeile auf:
Bach waren die Thomaner völlig wurscht.
Er kümmerte sich nicht um den Knaben-Chor +++ Er ließ seine Schüler für sich schuften +++ Hunderte verschollen geglaubte Werke haben wohl nie existiert
• Von WOLF-D. KRÖNING
Leipzig – Man stellt sich das so vor: Johann Sebastian Bach hat Zeit seines Lebens wie wild Kirchenmusik komponiert und aufgeführt – unablässig, bis zu seinem Tod am 28. Juli 1750. Nun wird sich die Welt wohl von dieser liebgewonnenen Vorstellung verabschieden müssen.
Der Leipziger Bachforscher Dr. Michael Maul (35) hat in der Nikolaikirche Döbeln ein uraltes Dokument entdeckt. Und das nährt den Verdacht: In den letzten 15 (!) Jahren seines Lebens ließ es der Meister ruhig angehen.
Nähere Einzelheiten hier: Bild

Mal wieder so ein selbsternannter Bachforscher, der sensationelle Untersuchungsergebnisse in die Welt hinaus posaunt. Was meint ihr dazu?

Liebe Grüße
Yo

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12 Dez 2013 11:35 #292 von Yo El Mismo
Es macht einen großen Unterschied, wenn zwei unterschiedliche Institutionen - hier die Bild und der Bayerische Rundfunk - über das gleiche Thema schreiben. Während die Bildzeitung das Ganze "sensationell" aufmachte, kommt der BR ernsthaft daher:

Bach-Archiv Leipzig Hatte Johann Sebastian einen "Burnout"?

Trotz intensiver Forschung in den letzten hundert Jahren gibt es in der Biografie Johann Sebastian Bachs ungewisse Punkte - zum Beispiel, was die Jahre zwischen 1740 und 1750 angeht. Das Bach-Archiv Leipzig hat neue Erkenntnisse.


Hier geht es weiter in dem interessanten und mit neuen Informationen versehenen Artikel, der auch noch einen Audiobeitrag bringt.

Gruß
Yo

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12 Dez 2013 18:46 #293 von Christof Rimle
Hallo Yo

diese angebliche Sensation beinhaltet doch gar nichts Neues! Neu ist höchstens das gefundene Dokument eines gewissen Fleckeisen. Dass Bach nur bis in die ersten Leipziger Jahre Kantaten komponiert hat, ist doch allgemein bekannt. Dass er sich in der Thomasschule immer öfter vertreten liess, ebenfalls. Der Streit mit dem Konsistorium der Stadt Leipzig und dem Rektor der Thomasschule, dazu die Pöbeleien von Musikkritikern muss Bach zugesetzt und seine Motivation beeinflusst haben. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich der Kunst der Fuge und dem Musikalischen Opfer. Auch das nichts Neues! Das nach Anerkennung lechzende Genie reiste bestimmt nicht nur wegen seines Enkelkindes nach Potsdam. Friedrich der Grosse war ja bekannt als ein der Musik sehr zugetaner Mensch der ausserdem selbst komponierte und auf der Flöte musizierte. Da braucht es nicht viel Phantasie um festzustellen, dass Bach seine Schöpfenskraft nicht länger für die Leipziger vergeuden wollte. Mir scheint es naheliegend, dass er es vorzog, für die musikliebende Prominez in Dresden und Potsdam zu arbeiten. Dass die Kunst der Fuge sein Vermächtnis werden sollte, scheint mir naheliegend. Die Begegnung in Potsdam veranlasste ihn dann, seine Arbeit zugunsten des Musikalischen Opfers zu unterbrechen. Das Stillschweigen Friedrichs des Grossen wird den alten Bach wohl zutiefst gekränkt und verletzt haben.

Der Schreibstil der Medien des 21. Jahrhunderts ist natürlich sensationslüstern und effekthascherisch. Und zu verurteilen. Sollte Michael Maul wirklich gesagt haben "Jetzt aber muss man den Verdacht haben, dass diese angeblich verschollenen Kirchenmusik-Werke niemals existierten" würde mich interessieren, aufgrund welcher Fakten er zu dieser Schlussfolgerung gelangt. Aus dem in Döbeln gefundenen Dokument jedenfalls nicht. Das was aus dem Fleckeisen-Brief bekannt ist, reicht doch bei weitem nicht!

Gruss
Christof

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13 Dez 2013 10:48 #294 von Yo El Mismo
Christof, Du triffst es genau. Wenn ich den BR-Klassik-Bericht zuerst gelesen hätte, hätte mich der Bild-Bericht nicht so aufgeregt. Überhaupt: Seit wann ist die Bild ein Kultur-Journal? Bei uns in D wird sie als "Revolverblatt" bezeichnet.

Inzwischen habe ich mich abgeregt und nehme den Begriff "selbsternannter Bachforscher" in Bezug auf Michael Maul zurück. Er arbeitet wohl für das Bach-Archiv.

Liebe Grüße
Yo

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