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BWV 208 Jagdkantate - Schafe konnen sicher weiden

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21 Jul 2015 17:32 #395 von Klaus Schaaff
Guten Tag Christof,

danke auch für die Karma Erklärung.

Sokolov gehört mit Sicherheit zur Klasse der Jahrhundertpianisten, so wie Listz, Rubinstein, Horowitz, Gilels, Kissin u.a.. Schade, dass Sokolow lange Zeit nur in Russland bekannt war. Sokolov und Kissin gehören zu den Interpreten, die sich auf ein unglaublich hohes Energieniveau begeben können. Daraus folgt natürlich auch, dass sie sich auf ein Repertoire spezialisiert haben, was diese Fähigkeiten erfordert. Das Merkmal "Jahrhundert-Pianist" ist dann: Die höchsten Schwierigkeitsgrade zu spielen, die höchsten 3 andere so beherrschen, jedes öffentliche Vorspiel fehlerlos - sowieso, und mit einer Leichtigkeit zu spielen, wo alle anderen versagen würden. Nach diesen Kriterien bewertet die Öffentlichkeit. Der Jahrhundert-Pianist schlägt alle anderen im Wettstreit. Mir ist diese Bewertung etwas suspekt, Musik ist kein Boxkampf oder Olympiade nach dem römischen Motto, gebt dem Pöbel Brot und Spiele.

Kathia Buniatishvili hat eine ganz andere Fähigkeit, die der leisen Töne, so ausgeprägt, wie kein anderer. Einige Bach Klavierkonzerte z.B. BWV 1062 erreichen Qualitäten, wie bei David Frey. Bei Schafe können sicher weiden, erzeugt sie eine Atmosphäre, die ich bei keinem anderen so gehört habe.

Bach traf hier ein Urteil und nannte die Anderen Klavierhusaren, die sich von Ihren Fingern diktieren lassen, was sie komponieren sollen. Weiß nicht mehr genau, ob es bei Spitta oder Forkel steht. Jedenfalls scheint es die zwei gegensätzlichen Typen von Pianisten zu geben. Frage bleibt dann aber immer noch, wer ist der Bessere. Listz war sicherlich ein Klavierhusar, aber ein unglaublich guter.

Bei Rubinstein und Horowitz fiel mir auf, die beiden haben sich höchstens an eine Bussoni-Interpretation von Bach gewagt, denn die Originale verlangen ganz andere Spielqualitäten, und das beherrschten sie nicht. Wer auf diesem Niveau spielt, achtet natürlich darauf, in der Öffentlichkeit nur das zu zeigen, wo kein Makel zu finden ist. Diese ganz großen Künstlerpersönlichkeiten verhalten sich wie ein König, und der zählt seine Krieger, bevor er in die Schlacht zieht, nichts wird dem Zufall überlassen. Nun hätte Rubinstein ein Bach Stück gehabt, in der entsprechenden Perfektion, dann hätte er das gespielt und auf Vinyl gepresst, dem war aber nicht so. Falls jemand doch eines kennt, bin ich der Erste, der das hören will.

Schön, dass Du eine Gitarrenversion gefunden hast, kannte ich noch nicht. Nun ist es eh' schwierig über eine Version, einer Version vom Original zu urteilen. Als klassischer Gitarrist kann ich sagen, Per-Olov Kindgren ist ein hervorragender Gitarrist, aber das Stück, ich glaube er hat es selbst eingerichtet, bringt sein eigentliches Können kaum zur Geltung. Schlicht, Schafe können sicher weiden, eignet sich so nicht ganz für Gitarre. Die Absätze, die er bei Griffumsetzungen machen muss, klingen dann abgehackt, oder auf dem Klavier braucht das Stück sehr viel Pedal (Gas) und erst dann kommt Atmosphäre auf. Genauso Gitarreneinrichtungen für Air D-Dur Suite (bitte nicht, Air on a G-String), der erste lange Ton über einen ganzen Takt, mit dem folgenden Melodiebogen, ist das Erkennungsmerkmal, und klingt so nicht auf der Gitarre, da fehlt das Sustain, obwohl alles Nachfolgende gut zu spielen ist. Von Per-Olov Kindgren liebe ich BWV 998:



Nur wenige kennen das Lautenwerk von J.S.Bach. Bei mir fing es mit BWV 1000 an, als 17-jähriger wollte ich das unbedingt spielen können.

Mit der Wahl des besten Pianisten, sollte jeder seinem persönlichen Geschmack nachkommen, nur wenn eine Allgemeingültigkeit von Gremien, der Presse oder sonst wem, verkündet wird, denke ich immer an die Wahl zum besten Deutschen oder den ADAC. Mit einer Ausnahme, Paganini, war der Beste seiner Zeit (Geige und Gitarre), weil es sonst keinen anderen gab. In meiner Jugend war Keith Jarrett (Köln Konzert) der Beste. Als ich dann später sein WTK gehört habe, war es damit vorbei.

Der Beste, für welches Stück, für welchen Stil, für welche Zeit, für welchen Raum, für welches Instrument, für welches Publikum, für welchen Zuhörer, für welches Wetter, die Inder sagen dazu Laya, der Kunst des Vortrags.

Schöne Tage
Klaus Schaaff

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26 Jul 2015 12:58 #399 von Christof Rimle
Hallo Klaus

danke für die Äusserung Deiner Meinung zu "den Besten"; ich teile sie weitestgehend. Während ich hier schreibe läuft bei mir gerade BWV 1062 mit den Schwestern Buniatishvili. Wunderbare Musik wunderbar interpretiert!

Ganz nebenbei (eigentlich sollte dafür ein neuer Thread eröffnet werden):

- Die beiden spielen ja ab Noten! Sehr ungewöhnlich, nicht wahr?
- Die im mittleren Satz sehr affektierte Körperhaltung und Gesichtsausdruck erinnern mich irgendwie an David Fray. Oder an Arturo Benedetti Michelangeli. David Frays Interpretationen mag ich sehr, aber beim Zusehen muss ich unweigerlich lachen!

Grüsse
Christof

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26 Jul 2015 14:09 #402 von Klaus Schaaff
Hallo Christof,

die Buniatishvili Schwestern, die Du gerade gehört hast, hatte ich gemeint. Mir geht da das Herz auf.

Grüße
Klaus Schaaff

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