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Bach und andere im Himmel

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11 Sep 2016 16:40 #587 von Yo El Mismo
Yo El Mismo erstellte das Thema Bach und andere im Himmel
Liebe Bachfreunde!

Eine bekannte deutsche Persönlichkeit (Auflösung erfolgt am Ende der letzten Folge) schrieb über ihre Nahtod-Erfahrungen, die ich hier auszugsweise wiedergebe:
TEIL: 1

Vor Kurzem war ich eine Weile tot, vor lauter Kummer, sowas gibt es, aber man kriegt manchmal eine zweite Chance und kann auf diese Erde zurück. Es war so enttäuschend – der Himmel ist nicht das, was wir uns darunter vorstellen. Gut, man trifft Menschen, die zu treffen man sich immer erträumt hat, aber die haben nur wenig Lust, sich mit unsereins zu unterhalten. Da fehlen einfach ein paar Jahrhunderte. Sie haben an uns und unseren glänzenden Bewunderungsaugen nicht das geringste Interesse.
Sie müssen sich das so vorstellen: Man kommt oben an, und es ist etwa wie bei John Malkovich und George Clooney in der Kaffeewerbung, nette Begrüßung, ein kleiner Handel um dies und das, dann ist man drin. Die Tür steht immer weit offen, Luther nagelt mit einem Hammer täglich neue Thesen an. Alles ist ziemlich hell, Gott hat keinen Bart, trägt kein langes weißes Nachthemd, aber eine Brille von Fielmann. Er thront in einem großen Salon, für alle erreichbar, aber er spielt eigentlich die meiste Zeit mit Johann Sebastian Bach „Fang den Spitz“ oder „Schnippschnapp“, und wenn Bach dann wieder Lob, Preis und Ehre anstimmt, sagt Gott freundlich und etwas erschöpft: „Lass gut sein, Wastel.“ Im Hintergrund spielt Glenn Gould einmal täglich ja sowieso das Gesamtwerk von Bach durch. Auf dem Flügel liegt Mozart, mit Schokolade beschmiert und giggelt. Stockhausen steht bei Gott und Bach, mit glühenden Augen, er will mitreden, er will mitspielen, aber Bach sagt streng: „Kinder bei Tisch, stumm wie der Fisch.“
Seit Schlingensief oben ist, hat Gott wenig Ruhe. Er muss immerzu diskutieren und sich anhören, dass Afrika Opernhäuser braucht. „Bau Opernhäuser, Mensch, Gott!“, schreit Schlingensief, und Gott sagt: „Siehst du, da haben wir das ganze Dilemma: der da“ – er zeigt durch die Wolken auf Pierre Boulez –, „der da sagt, reißt die Opernhäuser ab, du sagst, baut neue, wie ich es auch entscheide, es ist ja immer falsch!“ Schlingensief ist sehr enttäuscht von Gott und wartet jetzt auf Steve Jobs, der es besser machen wird, davon ist er überzeugt. Aber Steve Jobs wird erst lange im Raum der Stille bleiben, wo man sich ein paar Jahrzehnte ausruhen darf – Loriot liegt da, lächelnd neben Tabori, der inzwischen noch schöner geworden ist.


Gruß Yo

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21 Sep 2016 15:28 #589 von Klaus Schaaff
Klaus Schaaff antwortete auf das Thema: Bach und andere im Himmel
Lieber Yo,

wer das geschrieben hat, hab' ich mal gegoogelt, verrate es aber nicht, da noch eine Fortsetzung von Dir geplant ist.

In ähnlichem Umfeld habe ich die Heiligsprechnung von Johann Sebastian Bach durch den Papst gefunden:

www.spiegel.de/spiegel/print/d-13513004.html

Ja, vom Vattikann, die Mutti kann ja nicht ... dafür aber noch viele andere.


Viel Spaß
Klaus Schaaff

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22 Sep 2016 17:14 #590 von Yo El Mismo
Yo El Mismo antwortete auf das Thema: Bach und andere im Himmel
Hallo Klaus!

Was dieser Klaus Umbach vor über 30 Jahren über einen fiktiven Papst Gregor und seinen Schlussfolgerungen daraus von sich gegeben hat, hat mir nicht gefallen. Sein Motto: Ich trage mal alles zusammen, was man mit etwas schlechtem Willen Schlechtes über Bach sagen kann und mache daraus einen Riesenartikel im Spiegel (Zeilenhonorar). Ich war zu dieser Zeit in den 1980er Jahren nicht in Deutschland und so ist dieser Negativbeitrag an mir vorbeigegangen, Gottseidank. So ist mir doch eine große Aufregung erspart geblieben.

Was mich zu meinem Beitrag angeregt hatte, war der Wunsch nach etwas Humor. Deine und meine Artikel in den letzten ca. 12 Monaten waren so ernst und so von wissenschaftlichem Interesse beherrscht, daß es mich nach etwas Unernstem gelüstete. Da mir in dieser Rubrik nichts wirklich Lustiges einfiel, nahm ich einen Artikel der großen Literaturkritikerin Elke Heidenreich zur Hilfe. Ihr Essay beinhaltete - aus meiner Sicht - etwas sehr Lustiges, aber gleichzeitig auch Tiefgehendes und natürlich auch ein wenig von Bach.

Wie ich deinem Beitrag entnehme, hast du ihn schon in Gänze gelesen; andere scheinen nicht interessiert zu sein. Damit schließe ich das Kapitel.

Liebe Grüße
Yo

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22 Sep 2016 17:41 - 22 Sep 2016 19:10 #592 von Klaus Schaaff
Klaus Schaaff antwortete auf das Thema: Bach und andere im Himmel
Hallo Yo,

im Grunde hast Du mit dem Humor vollkommen recht, ich befürchte nur mit meinen 2 letzten Beiträgen trete ich da voll und ganz in einen großen Fettnapf, sorry, ganz ehrlich.

PS.: Zum Aufheitern:

Ein alter Chellist geht in Rente. Zuhause übt er täglich noch 2 Std. Seine Frau findet das toll, denn sie hört ihn gern spielen. Doch sie bemerkt langsam Veränderungen.

Im ersten halben Jahr spielt er noch abwechselnd sein ehemaliges Program, jeden Tag was anderes. Dann, ganz unmerklich, spielt er nur noch Bach und noch ein halbes Jahr später nur noch ein bestimmtes Stück von Bach.

Aber damit ist es noch nicht zu Ende, nach 2 Jahren spielt er nur noch die ersten 4 Takte und am Ende nur noch einen Ton, immer nur einen Ton.

Seine Frau ist auch am Ende und beschließt, ich gehe heute abend in ein Konzert und da höre ich mal wieder richtige Musik. Freudestrahlend kommt sie von Konzert nach Hause und erzählt ihrem Mann: Du, im Konzert da haben Streicher, Bläser, eine Harfinistin, ein Musiker am Schlagwerk und so viele andere gespielt und alle mit unterschiedlichen Tönen.

Ihr Mann antwortet ihr: Du ... die haben alle nur den einen Ton gesucht ...


Liebe Grüße
Klaus Schaaff
Letzte Änderung: 22 Sep 2016 19:10 von Klaus Schaaff . Begründung: Nachtrag

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20 Jul 2017 15:38 #632 von Yo El Mismo
Yo El Mismo antwortete auf das Thema: Bach und andere im Himmel
Liebe Bachfreunde!

Von außerhalb dieses Forums erreichte mich die Bitte, die Geschichte "Bach im Himmel" weiter zu schreiben. Das will ich gerne tun. Hier nun

TEIL: 2

In einer Ecke des Salons hocken Maria, Jesus und der Heilige Geist zusammen, und ich hörte sie streiten, wohin man mal verreisen könnte. Jesus schlug Lourdes vor, wo seine Mutter doch so verehrt wird, aber auf so viele moribunde Rentner hatte sie gar keine Lust, sie wollte lieber nach Bethlehem oder Jerusalem fahren. Jesus war entgeistert: Da, wo sie ihn gekreuzigt haben? In die Gegend will er nie wieder, und jetzt fahren sie, soviel ich mitgekriegt habe, demnächst nach Rom, weil der Heilige Geist gesagt hat: „Rom ist prima, da war ich noch nie! Die werden staunen, wenn ich komme!“ Es wurde sehr gelacht, und Gott drehte sich um und freute sich: „Dass die auch mal lachen!“, sagte er vergnügt. Aber da näherte sich auch schon Adorno, und Gott sagte rasch: „Oh! Schon wieder Schluss mit lustig. Schade.“

Über weitläufig verzweigte Gänge kommt man in viele verschiedene Räume, vorbei an einem Kämmerchen, in dem Sartre und Beauvoir sitzen und rauchen, was das Zeug hält und auf ihre Schreibmaschinen eindreschen. Sie ist beleidigt, weil Gott sie gebeten hat, wenigstens im Himmel diese unseligen Turbane nicht zu tragen, und er ist beleidigt, weil Evelyn Hamann zu ihm gesagt hat: „Nehmen Sie doch mal die Maske ab!“

Manchmal hört man schon durch unbeschreibliches Getöse, wer da mit wem im Zimmer sitzt – zum Beispiel Verdi und Wagner an zwei Érard-Flügeln, gegeneinander anspielend. Verdi donnert die Ouvertüre zu „La Forza del Destino“, Wagner hält mit Tristan-Akkord und Siegfried-Idyll verbissen dagegen, und sie haben seit 110 Jahren noch kein einziges Wort miteinander gewechselt.

Sehr schön ist das Zimmer (ganz in rotem Plüsch) mit all diesen zickigen, enttäuschten Musikergattinnen oder -geliebten. Da hätte auch ich bleiben sollen, denn in meinem Leben waren es immer wieder die Musiker, die mein Herz gebrochen, mich zu Tode geärgert oder zur Verzweiflung getrieben haben, ihre Schuld war es letztlich, dass ich da oben landete. Ich kann von Glück sagen, aus dieser Himmelhölle entkommen zu sein. Pauline Strauss keift noch immer hinter ihrem Richard her, wenn er nur ihre Reichweite verlässt. Elvira, die unglückliche Signora Puccini, die ihr Leben lang betrogen und belogen wurde, wird es auch hier: Puccini hat einen Musikstudenten angemietet, der nebenan seine Melodien spielt, während er in der Hölle mit Alberto Franchetti und Jean Sibelius beim Pokern ist. Sie hängt mit dem Ohr an der Wand und sagt abends zu ihm: „Heute hast du aber wunderbar gespielt, Giacomo!“, und er sagt: „Nicht wahr, meine Liebe.“

Aino Sibelius hat es aufgegeben, nach ihrem Mann zu suchen. Einmal war sie unten in der Pokerhölle, erbat Einlass, man wies sie ab. Sie ließ ihrem Mann einen Zettel zukommen, „Wann gedenkst du, mal wieder zu mir zu kommen?“ Er schrieb zurück: „Was weiß denn ich, Liebste, ich bin doch Komponist, nicht Hellseher!“


Bis Morgen, dann Teil 3.
Liebe Grüße
Yo

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