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17. Thomskantor nach JSB gesucht

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24 Jan 2016 12:21 - 24 Jan 2016 12:24 #525 von Klaus Schaaff
Klaus Schaaff antwortete auf das Thema: 17. Thomskantor nach JSB gesucht
Hallo Yo und Bachfreunde,

eine sehr schöne Aufnahme von BWV 62 Nun komm, der Heiden Heiland. Zu hören ist:

Gewandhausorchester
Thomanerchor
Thomaner Paul Bernewitz, soprano
Thomaner Friedrich Praetorius, alto
Christoph Genz, tenor
Daniel Ochoa, bass
unter der Leitung von Prof. Georg Christoph Biller

i. Chorale: Nun komm, der Heiden Heiland
ii. Aria (tenor): Bewundert, o Menschen, dies große Geheimnis
iii. Recitative (bass): So geht aus Gottes Herrlichkeit und Thron
iv. Aria (bass): Streite, siege, starker Held!
v. Recitative (soprano, alto): Wir ehren diese Herrlichkeit
vi. Chorale: Lob sei Gott dem Vater ton

Die Aufnahme stammt von 2014, also eine der letzten des Thomaskantors, seit er 2015 von seinem Amt aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat.



Sowohl von Bachs Gestaltung der Kantate als auch von Prof. Georg Christoph Biller ist diese Kantate sehr hörenswert. Prof. Georg Christoph Biller hat damit großartiges geleistet. Wenn man Musik mit anderen Menschen macht, braucht es lange Zeit bis man so perfekt auf einander eingespielt ist, ein Faktor der schwer zu ersetzen ist.

Angelika Nebel hat zu dieser Kantate eine Klavierbearbeitung eingespielt, die leider nicht mehr auf YouTube zu sehen ist. Mein Bruder machte mich darauf aufmerksam.


Grüße
Klaus Schaaff
Letzte Änderung: 24 Jan 2016 12:24 von Klaus Schaaff . Begründung: Korrektur

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29 Apr 2016 05:49 - 29 Apr 2016 05:50 #531 von Yo El Mismo
Yo El Mismo antwortete auf das Thema: 17. Thomskantor nach JSB gesucht
Liebe Bachfreunde!

Da waren's nur noch zwei.
Bei der Suche nach einem neuen Thomaskantor sind zwei der vier "Endspiel"-Kandidaten bereits ausgeschieden (Markus Johannes Langer und Matthias Jung). Auf einen einzigen Kandidaten konnte sich die Findungskommission nicht einigen:

Der 45-jährige Markus Teutschbein aus Basel und der 39-jährige Clemens Flämig aus Halle müssen nun erneut gegeneinander antreten. Sie sollen noch einmal nach Leipzig eingeladen werden, um in einer nichtöffentlichen Probe mit den Thomanern, dem weltberühmten Knabenchor, mehrere Werke von Johann Sebastian Bach einzustudieren. Durch die Auswahl derselben Stücke soll ein direkter Vergleich zwischen beiden möglich werden. Die Findungskommission hofft, in ein paar Wochen einen geeigneten Nachfolger für das Amt vorstellen zu können.

Copyright: Bayerischer Rundfunk

Gruß
Yo
Letzte Änderung: 29 Apr 2016 05:50 von Yo El Mismo.

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07 Mai 2016 10:54 #532 von Yo El Mismo
Yo El Mismo antwortete auf das Thema: 17. Thomskantor nach JSB gesucht
Als Klaus am 6.11.15 schrieb:

Der nächste Thomaskantor tut mir genauso leid, wie mir Bach leid getan hat. Ein solches Amt muss der Art vielfältigen Interessen gerecht werden, dass für den eigentlichen künstlerischen Anspruch kaum Raum bleibt.

habe ich ihn nicht verstanden. Ich bin nun mal Pragmatiker und denke "wenn der Job so bemitleidenswert ist, wie manche meinen, dann sollte man sich nicht bewerben". Aber nun schreibt die RP Online einen interessanten Artikel dazu, der voll auf der Linie von Klaus steht:

Thomanerchor - Bachs Nachfolger gesucht
Der Komponist Johann Sebastian Bach leitete von 1723 bis 1750 den berühmten Leipziger Thomanerchor. Seitdem hatte er 16 Erben in diesem ehrwürdigen Amt; der jüngste war Georg Christoph Biller. Für ihn sucht die Stadt Leipzig jetzt einen würdigen Nachfolger. Das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Von Wolfram Goertz
Knabenchöre sieht man im Fernsehen ja meistens zur Advents- und Weihnachtszeit, wenn die Buben mit artigem Scheitel, spitzen Näschen und jener Form von Wonne, auf die Großmütter fliegen, einen Choral singen. Sie tragen einheitliche Anzüge, sehen zuweilen aus wie Matrosenkinder auf Landgang; die älteren Buben singen im Tenor und Bass, tragen dermatologisch relevante Zeichen der Pubertät im Gesicht (Pickel, flaumige Bärte) und geben dem Klang einen entscheidenden Aspekt von Männlichkeit.
Es gibt namhafte Knabenchöre, sie sitzen in Regensburg, Bad Tölz, Dresden, Stuttgart, Hannover, Basel. Der älteste ist der Aachener Domchor (gegründet 796). Die Wiener Sängerknaben singen nur in den Stimmlagen Sopran und Alt. Über allen aber thront der Leipziger Thomanerchor, der in der dortigen Thomaskirche singt und seit den Zeiten von Johann Sebastian Bach Ruhm und Ehre nach Sachsen holt.
Jetzt suchen sie in Leipzig Bachs 17. Nachfolger. Der war von 1723 bis 1750 in Amt und Würden. Das heißt statistisch, dass jeder Thomaskantor im Schnitt 16 Jahre bleibt. Das war natürlich nicht der Fall. Georg Christoph Biller, der jüngste Thomaskantor, der 2015 wegen Krankheit ausschied, war fast 23 Jahre im Amt, eine kleine Ewigkeit: länger hatte es nur Johann Friedrich Doles ausgehalten, der von 1756 bis 1789 das Amt besorgte. Betrachtet man die Liste dieser Musiker, dann fällt auf, dass sie fast alle in Leipzig starben. Das Thomaskantorat ist eine Lebensaufgabe. Sie fordert einen Künstler in höchstem Maße. Man kann auch sagen: Sie frisst einen auf.
Denn es ist ja nicht nur dieser Chor. Dem Thomaskantor obliegen die Durchführung der allwöchentlichen Motetten und die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Leipziger Thomaskirche. Früher gingen seine Aufgaben an der Thomasschule zu Leipzig noch weiter, so musste Bach beispielsweise Latein unterrichten.
Immer dieser Bach: Er wusste genau, was dieser Chor konnte und noch können sollte, er hat ihn sich gedrillt. Schaut man in Bachs Partituren, so kommt man zu der Erkenntnis, dass Bach für die Chormusik insgesamt, nicht nur die seiner Zeit, einen Quantensprung bedeutete. Diese komplexe Virtuosität in der h-Moll-Messe, diese Vielfalt der Emotionen in der "Matthäus-Passion", diese Reaktionsschnelligkeit in der "Johannes-Passion", diese ungeheure Vielfalt an expressiven Gesten und theologischen Nuancen in den Kantaten und Motetten - das ist so viel mehr, als der Chor je vorher und nachher zu singen hatte. Noch heute lebt der Chor für Bach, der ihn zur Elitetruppe geformt hatte; gleichwohl pflegt der Chor auch andere Musik.
Biller hatte sich in die Aufgabe gekniet wie kein zweiter, doch musste er schnell begreifen, dass sein Nervenkostüm nicht für 365 Tagen des Jahres ausreichte; der Thomaschor kennt nur wenig Zeitfenster, in denen der Chef abwesend sein darf. Biller wurde im Amt depressiv, schied immer wieder für Monate aus. Dann litt er erst recht, weil er wusste, wie sehr er vermisst wurde und was auch ihm fehlte: Biller war selbst, von 1965 bis 1974, Thomanerknabe gewesen. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte 2015 zu Billers Rücktritt: "Ich habe größten Respekt vor der Entscheidung des Thomaskantors. Und ich weiß, dass er sie sich nicht leicht gemacht hat. Er zieht sich aus dem Amt zurück, weil er weiterhin das Beste will für seinen Thomanerchor und für die Musik."
Dass sich ein Oberbürgermeister äußert, ist eine Spezialität der Stelle. Der Thomaskantor macht seinen Vertrag mit der Stadt, nicht mit der Kirche. Ihr steht denn auch die Hauptentscheidung zu. Das muss nicht für jeden eine tragfähige Basis sein; mancher hat deshalb die Stelle gar nicht erst angetreten. So ist bekannt, dass Hermann Max, der großartige Chorleiter aus Dormagen, einmal die Stelle ablehnte, obwohl er bereits in Leipzig zugesagt hatte. Man unterliegt dort halt erheblichen Zwängen; und der größte ist, dass man das Klima eines Knabenchores mit dieser riesigen Tradition, auf die man fortwährend festgenagelt wird, nicht unbedingt ertragen kann.
Derzeit steht die Entscheidung zwischen zwei Musikern an, die ein Selektionsverfahren überlebt haben: Es sind Clemens Flämig aus Halle und Markus Teutschbein aus Basel. Beide sollen nun vor der sehr prominent besetzten Findungskommission ein identisches Programm einstudieren. Danach soll eine Entscheidung fallen. Gleichwohl besteht keine Eile: Thomanerchor - das ist als Chor und als Schule eine in Erz gehauene Institution, obwohl man in Leipzig nicht müde wird zu betonen, dass die Thomaner offen sind für Neues. Gäste, die Leipzig besuchen, wollen den Chor am liebsten mit Bach hören. Nun, das kann er wirklich besonders gut.
Quelle: RP

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07 Mai 2016 13:41 #533 von Klaus Schaaff
Klaus Schaaff antwortete auf das Thema: 17. Thomskantor nach JSB gesucht
Hallo Yo,

der Artikel von RP Online trifft es sehr gut, was ich ohne genaue Kenntnisse nur vermutet hatte und andeuten wollte.

Man weiß ja, das Burnout Syndrom ist nicht exklusiv von Lehrern gepachtet, sondern es zeugt davon, es gibt heute tatsächlich eine signifikante Häufung an Überforderung am Arbeitsplatz. Diese Überforderung betrifft zeitliche Aspekte, wie auch Mentale.

Wie Du treffend andeutest: Man sollte mit Bedacht vorher überlegen, ob man einer solchen Verantwortung und damit dem Amt eines Thomaskantors gerecht werden kann. Und diese Überlegung war Bach auch nicht fremd.

Fehleinschätzungen dieser Art will man nicht unbedingt in der Öffentlichkeit diskutieren. Damals, wie heute, hat kaum jemand Interesse, was schief gegangen ist, aufzurollen. Die vielleicht sinnvollste Methode dem entgegenzutreten, ist die, die Bach unterstellt wurde: Jetzt mach ich nur noch Dienst nach Vorschrift. Da lernt halt niemand wirklich dazu. Die Positionen der Kirche, der Stadt und des Thomaskantors sind öffentliche Positionen, und niemand will im Nachhinein in Misskredit geraten.

Mich hat interessiert, mit welcher Intension Biller an seine Arbeit heranging, und so habe ich mir die letzten Produktionen von ihm angehört. Resümee war, der Mann ging mit hohem künstlerischen Anspruch daran. Mein Respekt und Hochachtung vor diesem Mann.

Die Stadt Leipzig braucht aber damals bei Bach, wie heute, jemand der seinen Job ohne Reibungspunkte erledigt. Deshalb meine Vermutung, die Kunst von Bach würdig zu vertreten, wird nicht an erster Stelle stehen, bei der Vergabe des Amts. Für uns, als Jünger Bachs, die das gerne anders sehen würden ... was bleibt da?

Liebe Grüße
Klaus Schaaff

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24 Mai 2016 15:18 #543 von Yo El Mismo
Yo El Mismo antwortete auf das Thema: 17. Thomskantor nach JSB gesucht
Liebe Bachfreunde!

Nun ist es geschafft. Die Entscheidung ist mit einer große Überraschung gefallen - und sie ging für die vier Kandidaten in der Endrunde, die zur Wahl für den 17. Thomaskantor nach JSB standen, mit einem Paukenschlag zu Ende. Leider ist sie auch für die vier "handverlesenen" Koryphäen mit dem größtmöglichen Imageverlust verbunden.

BR Klassik schrieb gestern:

Überraschende Entscheidung in Leipzig
Gotthold Schwarz wird Thomaskantor
23.05.2016
Mehr als ein Jahr wurde gesucht, jetzt steht Gotthold Schwarz als neuer Thomaskantor fest: Schwarz hat den Thomanerchor bereits seit 2015 kommissarisch geleitet. Damit setzte sich keiner der vier Probekandidaten durch, die eine Findungskommission ausgesucht hatte.
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung gab die Entscheidung bekannt. Gotthold Schwarz gehörte nicht zu dem Kreis der vier Probekandidaten, die eine Findungskommission ausgesucht hatte. Er ist für den Chor aber ein alter Bekannter.
„Manchmal sieht man im Wald die Bäume nicht.“
Oberbürgermeister Burkhard Jung
Schwarz war über die Jahre immer mal wieder eingesprungen, um den Thomanerchor zu leiten. Nach dem Rückzug von Georg Christoph Biller ist Schwarz seit 2015 amtierender Thomaskantor. Der Geschäftsführer des Knabenchores, Stefan Altner, freut sich, dass nun ein Ergebnis vorliegt. Denn so habe der Chor bis 2020 Planungssicherheit. Jetzt muss noch der Leipziger Stadtrat zustimmen.
Vier Probekandidaten gescheitert
Der Oberbürgermeister dankte den vier Probekandidaten Markus Teutschbein, Clemens Flämig, Markus Johannes Langer und Matthias Jung. Sie hatten mit den Thomanern zur Probe Werke einstudiert. Von den vier Kandiaten hatte die Findungskommission anschließend Teutschbeim und Flämig in die engere Wahl genommen. Beide überzeugten jedoch offenbar nicht völlig.
Der Thomaskantor wird seit der Reformation von der Stadt Leipzig angestellt, in Absprache mit der evangelischen Kirchgemeinde St. Thomas. Die Findungskommission schlägt einen Kandidaten vor, das letzte Wort haben aber die Gemeinde und der Leipziger Stadtrat.
Copyright: BR Klassik


de.wikipedia.org/wiki/Gotthold_Schwarz

Es grüßt ein Kopf schüttelnder Yo.

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24 Mai 2016 17:11 #544 von Klaus Schaaff
Klaus Schaaff antwortete auf das Thema: 17. Thomskantor nach JSB gesucht
Grüß Dich Yo,

letzte Woche habe ich noch in:

www.bachfestleipzig.de/sites/default/files/files/Bachfest2016_Programm.pdf

gelesen und habe festgestellt, dass Gotthold Schwarz, der Interim in der Übergangszeit als Thomaskantor auch fast alle Chorleitungen des Thomanerchors während dem Bachfest 2016 übernimmt. Dabei habe ich mich gefragt, warum eigentlich nicht Gotthold Schwarz als neuer Thomaskantor? Er sollte eigentlich den größtmöglichen Zugang zum Chor haben und die Arbeit des Thomaskantor kennen, so gut wie kein anderer.

Warum nicht, im Fußball ging das auch, Klinsmann und in Nachfolge Löw.


Gruß
Klaus Schaaff

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